ADS/ADHS Konzept erhält den Coaching Award für Besondere Leistungen Petra Halbig aus Nürnberg erhält eine hohe Auszeichnung

ADS/ADHS Kinder stehen oft alleine da. Dazu kommen noch die mangelnde Unterstützung für die Eltern und manchmal die Hilflosigkeit der Lehrer. Genau dort setzt eben das Konzept von Petra Halbig an. Die Dipl. Pädagogin und Sytem. Coach qualifizierte sich zum ADS Coach und eignete sich ein fundiertes Wissen für die Bereiche Legasthenie und Dyskalkulie an. Die „Grauzone“ und auch die Unwissenheit der Gesellschaft führten zur Idee des Konzeptes. Vorurteile auf allen Fronten für Eltern, Kindern und Lehrer sollten abgebaut werden und sich in selbstständiger Unterstützung verwandeln.

Genau diese Kombination überzeugte auch die Jury - die systemische Einbindung aller Beteiligten zum Wohle der Betroffenen. Die Nachhaltigkeit und die wunderbaren Ergebnisse beeindruckten, so Jury Präsident Alexander Maria Faßbender, in seiner Laudatio.
Zum ersten Male ging der Coaching Award nicht an eine Persönlichkeit sondern an ein außergewöhnliches Konzept.
In ihrer Dankesrede erzählte Petra Halbig, wie viel Auftrieb ihr dieses Auszeichnung gibt, gerade in dieser speziellen Kategorie. Sie bedankte sich bei ihrem Team und erzählte ein wenig von ihrer Arbeit.

Hyperaktivität - Die Aufmerksamkeitsstörung (ADS)
Nach heutiger Auffassung ist die recht häufige Aufmerksamkeitsstörung (ADS) das Ergebnis einer biologischen Funktionsstörung im Bereich der Informationsverarbeitung zwischen einzelnen Hirnabschnitten. Das Erscheinungsbild ist vielfältig, es reicht vom bekannten Zappelphilipp über brav träumerische Mädchen („les enfants lunatiques“), depressiv orientierungslose Jugendliche, gewisse Suchtabhängige und Gesetzesbrecher, sowie unstete impulsive, aber auch depressive Erwachsene bis zum hochbrillanten zerstreuten Professor!
Man nimmt an, daß bei ADS im komplizierten Zusammenwirken verschiedener Hirnabschnitte im Bereich der Schaltstellen einzelner Hirnzellen die verantwortlichen Neurotransmitter nicht optimal wirken. Moderne Untersuchungsmethoden des Gehirns haben gezeigt, daß diese Störungen vor allem in denjenigen Gehirnabschnitten vorkommen, die für Aufmerksamkeit, Konzentration und Wahrnehmung verantwortlich sind, was die bekannten Verhaltensstörungen im Kindesalter und/oder unerklärlich sinkende Schulleistungen erklärt.
Sekundär kommt es so häufig zum Schulversagen, manchmal erst im Gymnasium oder an der Universität, zum Außenseitertum, zur ständigen Sündenbockrolle in der Familie, später eventuell zu dissozialem Verhalten, Suchtentwicklungen oder gar kriminellen Entgleisungen. Vor allem Jungen zeigen auffallende motorische Hyperaktivität (Zappelphilipp). Das kann mit der Zeit nachlassen, was aber nicht mit dem Verschwinden der tiefgreifenden Störung verbunden sein muss.
Über die primär organische Ursache des ADS besteht heute kaum mehr ein Zweifel. Im Vordergrund steht wahrscheinlich eine bis heute noch nicht genau bekannte genetische Veranlagung, denn häufig sind Geschwister, Eltern oder andere Verwandte ebenfalls betroffen.
Nahrungsmittelallergien oder - unverträglichkeiten können eventuell eine bestehend motorische Hyperaktivität verschlimmern, sind aber nicht die Ursache des ADS. Für den ADS-Patienten ist es außerordentlich wichtig zu wissen, daß er nicht neurotisch, psychotisch, weniger intelligent, milieu- oder hirngeschädigt bzw. einfach faul ist. Schon die Feststellung, daß er ein biologisches Problem im Bereich der Steuerung von Aufmerksamkeit und Wahrnehmung hat, ist für ihn außerordentlich wichtig.
Im Bereich der Aufmerksamkeitsleistung ist die Hinwendung auf eine bestimmte (häufig von außen geforderte!) Sache, das Fokussieren auf bzw. das Filtrieren bestimmter Wahrnehmungseindrücke gestört. Bei vielen Lernprozessen sowohl im schulischen wie auch im sozialen Bereich zeigt sich die ADS-Störung im Bereich der Gedächtnisbildung mit einer auffallend langen Verarbeitungszeit. Die Aufnahmekapazität des Kurzzeitgedächtnisses ist erheblich vermindert und kann vor allem beim Lesen und in der Rechtschreibung zu großen Schwierigkeiten führen. Der ADS-Patient lernt im sozialen Bereich nicht aus begangenen Fehlern, viele zeigen aber z.T. erstaunliche Teilfähigkeiten als Bastler, Tüftler, Computerfreak, Schachgenie usw.
Die Diagnose der ADS läßt sich hauptsächlich durch die Lebensgeschichte (Anamnese) des betroffenen Kindes oder Jugendlichen stellen. Viele behandlungsbedürftige ADS-Patienten werden nicht erkannt und adäquat behandelt, vor allem wenn die motorische Hyperaktivität fehlt. Neben einer gründlichen körperlichen und neurologischen Untersuchung werden verschiedene neuropsychologische Testuntersuchungen durchgeführt. Leider ist dabei heute noch kein einheitliches Vorgehen zu erkennen.
Die Behandlung des ADS-Patienten kann einfach und dabei sehr hilfreich, manchmal jedoch sehr schwierig sein. Da es sich beim ADS wohl um eine Stoffwechselstörung im Bereich des Neurotransmittersystems des zentralen Nervensystems handelt, besteht heute Einigkeit darüber, daß besonders in ausgeprägten Fällen eine medikamentöse (v. a. mit Ritalin und d-Amphetamin) Behandlung erforderlich ist. Obwohl noch viele Unklarheiten bestehen, ist die medikamentöse Behandlung korrekt verabreicht auch überaus erfolgreich und es gibt zunehmend Hinweise, daß eine richtig durchgeführte kontinuierliche Behandlung zu einer Nachreifung der ADS-Störung führen kann.
Da durch die medikamentöse Therapie die Wahrnehmungsfunktionen im weitesten Sinne normalisiert werden, hat der ADS-Patient nun die Voraussetzung, Verhaltensstrategien, soziale und andere Lernprozesse zu erlernen. Auch für ihn lohnt es sich, sich nun anzustrengen, die bisherigen Mißerfolge bleiben nach und nach aus. Wenn relativ spät behandelt wird, können sich eingefahrene Verhaltensmuster in der Schule und Familie noch lange störend auswirken und müssen verhaltestherapeutisch behandelt werden.
Nach heutigen Erkenntnissen ist eine kontinuierliche Behandlung zu empfehlen, da in vielen Fällen eine Nachreifung oder Ausheilung dieser Stoffwechselstörung bei ausreichend langer und ununterbrochener Behandlung zu erwarten ist. Zudem sind die sozialen Lernprozesse ja nicht nur auf die Schule beschränkt!
Nebenwirkungen der Stimulantientherapie bestehen v. a. in nicht bedrohlichen Appetitstörungen und im Einzelfall recht lästigen Einschlafstörungen. Spätschädigungen oder Abhängigkeiten sind auf Grund der langjährigen Erfahrung und Kenntnis dieser Behandlung nicht bekannt geworden.
Neben der medikamentösen Basisbehandlung sind häufig zusätzliche Maßnahmen und Therapien nötig, bzw. werden erst durchführbar! Je nach Alter kommen dabei v.a. in Frage:
* in jedem Fall Aufklärung und Information über das ADS
* Beratung des Patienten sowie der Familie, Festlegen von Regeln
* coaching des Tagesablaufes
* Verhaltenstherapie
* Funktionelle Therapie
* Eventuell Psychotherapie
* Sonderpädagogische Maßnahmen, gezielte Berufsberatung
Ohne eine exakte medikamentöse Einstellung sind alle oben beschriebenen Maßnahmen leider oft wenig effektiv oder gar unmöglich! Trotz der vielen Probleme sollte nie vergessen werden, daß alle ADS-Patienten viele positive Eigenschaften aufweisen, die nach Möglichkeit gefördert und verstärkt werden sollen. Den häufig unglücklichen und mißverstandenen ADS-Patienten sollte der Rücken gestärkt und ihnen möglichst oft ein Erfolgserlebnis vermittelt werden.